Linde auf dem Alten Fiedhof ist 361 Jahre
alt
"Wie alt mag
unsere Linde wohl sein?" - Seit vielen
Generationen bewegte dieses Rätsel die
Gemüter der Oppenweher. Von zweihundert
bis zu tausend Jahren reichten die Vermutungen.
"Sie dürfte ja schon in Saft und
Kraft gestanden haben, als die Vorfahren der
alten Oppenweher Geschlechter noch freie Bauern
waren auf freiem Grund und Boden", heißt
es gar in einem alten Aufsatz über Oppenwehes
Geschichte. Nun endlich kann diese Frage beantwortet
werden: Mitte des siebzehnten Jahrhunderts,
kurz nach dem Deißigjährigen Krieg,
ist das heutige Prachtstück gepflanzt
worden. Der Verein "Oppenweher Klus"
hat das Alter ermittelt und daher nun auch
eine Gedenktafel aufgestellt.
Doch wie kann man eigentlich
das Alter einer Linde bestimmen? "Fällen
und Ringe zählen!" - diesen "gut
gemeinten Tipp" wollte man verständlicherweise
nicht umsetzen. Doch die Dokumentation "Deutschlands
älteste Bäume", die der NDR
im März ausgestrahlt hatte, brachte den
Vorsitzenden des Vereins, Peter Kokemor, auf
die Idee: "Die können uns bestimmt
weiter helfen!". Über den NDR und
die Filmproduktionsgesellschaft Nautilus konnte
so der Kontakt zu dem Biologen Stefan Kühn
aus Gießen hergestellt werden. Kühn
hat sich seit vielen Jahren auf "Alte
Bäume" spezialisiert, mehrere Bücher
zu diesem Thema verfasst und ist beim Deutschen
Baumarchiv für den Norden der Republik
zuständig. Von ihm kam schließlich
die genaue Anleitung.
Aus dem Umfang des Baumes kann man nämlich
auf das Alter schließen. Der Umfang
muss dabei in einem Meter Höhe gemessen
und dann durch einen Faktor zwischen 2 und
3 geteilt werden. So ergibt sich das ungefähre
Alter der Linde. Der jeweilige Faktor hängt
dabei allerdings von den örtlichen Gegebenheiten
ab. Bodenqualität und klimatische Verhältnisse
beeinflussen natürlich das Wachstum.
Hier kam den Oppenwehern ein glücklicher
Umstand zu Hilfe. Es existiert doch tatsächlich
ein präziser Vergleichsmaßstab,
nur wenige Meter entfernt: Die Lindenallee
auf dem Marktplatz. Es ist bekannt, dass diese
im Jahr 1893, also vor 117 Jahren, angeplanzt
wurde.
Das Messteam Jürgen Tiemann, Andreas
Spreen, Jürgen Lüker, Holger Eickenhorst,
Jürgen Geldmeier und Hans-Wilhelm Henke
vermaß zunächst diese Linden und
ermittelte auf diese Weise ein durchschnittliches
Umfangswachstum von 1,75 cm pro Jahr. Auf
dem kargen Sandboden wachsen Linden somit
deutlich langsamer als im Bundesdurchschnitt.
Dieser Faktor konnte jetzt auf den Umfang
der Alten Linde, nämlich 632 cm, übertragen
werden. Die Linde ist demzufolge etwa 361
Jahre alt und wurde ungefähr 1649 gepflanzt.
"Natürlich wollen wir uns nicht
ernsthaft exakt auf diese Jahreszahl festlegen,
das wäre unseriös. Dennoch macht
dieses Datum auch historisch durchaus Sinn",
erläutert Kokemor. "Denn ungefähr
zu dieser Zeit, kurz nach dem Dreißigjährigen
Krieg, wurde eine neue Kapelle an dieser Stelle
errichtet. Die Klus. Die vorherige, die bei
Rohlfing Nr. 2 gestanden hatte, war vermutlich
im Krieg untergegangen. Es ist deshalb absolut
nachvollziehbar, dass man damals aus diesem
Anlass neben der Kapelle auch gleich einen
jungen Kirchbaum, eben unsere Linde, gepflanzt
hat."
Grund genug für den Klusverein, vor der
Linde eine Gedenktafel anzubringen. Die Tafel
wurde von Petra und Jürgen Lüker
gestiftet und trägt eine von Petra Lüker
gedichtete Inschrift. Der passende Rahmen
aus massiver Eiche wurde von Erhard Kröger
gebaut, von Jens Büttemeier gestrichen
und schließlich von Kröger und
Jürgen Tiemann aufgestellt. Das notwendige
Material hat ein Klusvereinsmitglied gespendet.
Im Rahmen einer kleinen Feierstunde wurde
die Tafel jetzt von René Spreen aus
Oppenwehe enthüllt.

Zunächst
wird der Umfang der Linden
auf dem Marktplatz in 1 m Höhe gemessen.
Aus den Messungen wird der Durchschnitt
gebildet und ergibt ein jährliches
Durchschnittswachtum von 1,75 cm/Jahr.
|
|

Messung
der Alten Linde
Mithilfe von Laser werden Fixpunkte
festgelegt, damit die Messung in gleicher
Höhe später wiederholt werden
können.
Der Umfang in 2010 beträgt 632
cm.
|
|

Enthüllung
der Gedenktafel:
Angelika Kokemor, Jürgen Tiemann,
Jürgen Geldmeier, Erhard Kröger,
Anne Tiemann, René Spreen, Anemone
Spreen, Petra Lüker
|
 |
|