Zeitreise in Oppenwehe
„Ich habe selten eine so gute Veranstaltung besucht.“, war die Meinung eines Besuchers des Oldtimertreffens. Er kam ins Schwärmen, als es im Gespräch um Oldtimer ging. Das Wetter meinte es gut und so kamen ca. 180 Technikbegeisterte mit ihren Schätzchen nach Oppenwehe. Die Platzanweiser hatten alle Hände voll zu tun, um die vielen Old- und Youngtimer unterzubringen. Die Ausstellungsfläche auf dem Mühlengelände war schnell voll, sodass man auf andere Flächen ausweichen musste.

Vor der über 300 Jahre alten Bockwindmühle stand ein ganz besonderes Stück automobile Zeitgeschichte: ein fast 100 Jahre alter Studebaker, größtenteils noch mit originaler Lackierung. Der Besitzer berichtete von der schwierigen Recherche, die korrekten Weißwandreifen zu finden. Nach langer Suche ist er in den USA fündig georden. Ein großer Reifenhersteller sammelt monatelang Bestellungen und produziert tatsächlich noch die schmale Sondergröße. Erst wenn sich die Menge lohnt, werden in alten Werkzeugen neue Gummis hergestellt. Ein sicherlich kostspieliges Vergnügen, aber die Qualität und Haltbarkeit der Reifen übertrifft die aus 1927 bei weitem.
Auch die Youngtimer-Freunde hatten viel zu berichten. Seltene Ersatzteile sind auf Schrottplätzen nicht mehr zu finden und eine Nachproduktion ist nicht in Sicht. Aber man weiß sich zu helfen, um den Oldie wieder auf die Straße zu bringen.

Bei den Zweirädern fand man neben alten Bekannten aus der Jugend ein Kynast OKY aus dem Jahr 1977. Es wurde auch unter dem Markennamen „solo electra“ verkauft und soll laut Werbung das erste elektrisch betriebene Mofa der Welt sein. Der Lenker erinnert an die alten Bonanza-Fahrräder. Natürlich gab es auch die fetten Dinger zu sehen.
Diese BMW fiel durch einen verchromten Helm mit Hörnern und Fell-Mähne auf. Der Besitzer erzählte, auf einem Treffen haben ihm Mitglieder eines Motorad-Clubs spontan über eintausend Euro für den Helm geboten. Die Wikinger sind unter uns!

Ein heutiger SUV ist ein Palast gegen diese BMW Isetta. Ein Hubraumriese ist sie nicht. Späte Exemplare holten aus mickrigen 0,3 Liter Hubraum 13 PS. Aber die Isetta hatte von Anfang an eine große Klappe. Vorne ist der Einstieg. Das Lenkrad klappt zur Seite, damit zwei Personen bequem einsteigen konnten. Der Kofferraum hinter der Sitzbank bietet Platz für leichtes Gepäck oder Einkäufe. Für BMW war die Isetta ein riesiger Erfolg. Dennoch wagten die Bayern es nicht, ihre Schöpfung als Auto zu bezeichnen. Das kleine Raumwunder wurde als Motocoupé vermarktet.
Wo wir gerade bei den aus heutiger Sicht niedlichen Transportmitteln sind: Ein Goggomobil der Firma Glas. Es war das erste Auto des innovativen Unternehmens und der größte Konkurrent der BMW Isetta. Ein 2-Zylinder-Zweitaktmotor mit bis zu 18,5 PS sorgte für gute Fahrleistungen. Über eine viertel Million „Goggos“ wurden gebaut, weit mehr als Isettas. Neuentwicklungen und notwendige Investitionen führten bei Glas zu finanziellen Herausforderungen, um mit den Großen der Automobilbranche mithalten zu können. Am Ende wurde Glas 1966 durch BMW übernommen. Mit der Zeit wurden die Glas-Modelle aus der Produktion genommen. Das letzte Goggomobil lief 1969 vom Band. Einige Modelle von Glas erhielten aber ein BMW-Logo und wurden für eine Weile weiter produziert.
Man könnte noch viel mehr über Fahrzeuge berichten. Zu einem guten Treffen gehört auch ein perfektes Rahmenprogramm. Für musikalische Unterhaltung sorgte die Band Triple O, während sich der Mühlenverein und die Landfrauen Oppenwehe um das leibliche Wohl kümmerten. Es gab Gegrilltes, Kartoffelsuppe, Grillkäse sowie Kaffee und Kuchen. Hier kam jeder auf seine Kosten.
Wer seinen Oldtimer früh genug angemeldet hatte, erhielt für sich und seine Begleitung einen Gutschein über ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee sowie eine Erinnerungsplakette. Unterstützung erhielten die Veranstalter von der Gemeinde Stemwede, die sich sowohl finanziell als auch mit vielen Helfern beteiligte.
Gleichzeitig fand der Mühlentag statt. Besucher hatten die Möglichkeit, die alte Bockwindmühle zu besichtigen und von der Mühle aus die Aussicht auf das Treffen zu genießen.
Wer wollte, konnte an der Ausfahrt teilnehmen. Der Stemweder Bürgermeister Kai Abruszat ließ es sich nicht nehmen, mit seinem „neuen“ Oldtimer mitzufahren. Die Route führte durch Stemwede, unter anderem durch Levern am Alterswohnsitz Stiftsort Levern und in Wehdem am Seniorenhaus Stemweder Berg vorbei.
Das nächste Oldtimertreffen findet am 20. September 2026 statt. Aktuelle Informationen gibt es stets unter Veranstaltungen. auf oppenwehe.de.



















